2. Die ökonomische Analyse des Staates in dogmenhistorischer Sicht

2.1 Kameralismus und Klassiker der Nationalökonomie

2.2 Die Neoklassiker in Großbritannien und Mitteleuropa

2.3 Knut WICKSELL und die Verbindung beider Seiten des Staatshaushaltes

2.4 Die Keynesianische Revolution in der Finanzwissenschaft (1936)

2.5 Neuere Tendenzen in der (modernen) Finanzwissenschaft

 

2.1 Kameralismus und Klassiker der Nationalökonomie

Als Vorläufer der Finanzwissenschaft sind im wesentlichen die Kameralisten (Vertreter: v.SONNENFELS, BECHER) und die Klassiker der Nationalökonomie (hier: SMITH, RICARDO, MILL) zu nennen.

Der Kameralismus (17./18. Jh.) ist die deutsche Richtung des westeuropäischen Merkantilismus und kann als "die Lehre vom fürstlichen Haushalt und der ertragsreichsten Gestaltung der Staatseinkünfte" definiert werden. Die Situation in Deutschland zu dieser Zeit kann wie folgt skizziert werden: Mit Beendigung des Dreißigjährigen Krieges entstand eine Vielzahl von kleinen Totalitärer Staaten, die von deutschen Fürsten regiert wurden. Diese fassten ihr Land als Unternehmen auf, mit dessen Hilfe sie versuchten ihr Einkommen zu maximieren.

Hier kam den Kameralisten besondere Bedeutung zu, die den Fürsten wie Finanzberater zur Seite standen, d.h. deren Finanzpolitik i.S. möglichst hoher Staatseinkünfte vollzogen. Als Mittel bedienten sie sich hierbei einer planmäßig Förderung der Wirtschaft, wobei als wesentliche Aktionsparameter die Bereiche der Steuern, des Außenhandel und der in dieser Zeit in Erscheinung tretenden staatlichen Betriebe (Manufakturen) existierten. Wesentliche Einkunftsquelle waren jedoch hierbei die Steuern, wobei besonders dem Bürgertum als Steuerquelle Beachtung geschenkt wurde und damit auch gezielte Förderung. Einhergehend ergaben sich jedoch Probleme wie etwa Korruption, "Faulheit" im Vertrauen auf die Subventionen u.s.w.

Genau an diesem Punkt setzten die Klassiker der Nationalökonomie ihre Kritik an. Allen voran A. SMITH, der eine Abkehr von einem derartigem System forderte und die Entwicklung hin zu mehr liberalistischem Gedankengut förderte: Der Staat als Ordnungs- bzw. Schutzmacht, der die Rahmenbedingungen für eine frühzeitliche marktwirtschaftliche Ordnung schafft, der Institutionen wie Landesverteidigung, Rechtsprechung, Bildung und Infrastruktur entwickelt. Zudem meinte schon A.SMITH, dass eine Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit jedes einzelnen zu erfolgen habe. Diesen Gedanken schlossen sich auch andere Autoren an (RICARDO:"Schuldenillusion").

 

2.2 Die Neoklassiker in Großbritannien und Mitteleuropa

Als Neoklassiker (und Begründer der Mikroökonomie in der VWL) im Bereich der Finanzwissenschaft sind folgende zu nennen:

  • A. MARSHALL (1890): Finanzwissenschaft als Wirkungsanalyse, Modellbildung, Steuerüberwälzung (Steuerinzidenz)

  • A.C. PIGOU (1920): Problematik externer Effekte (Pigou-Steuer), Übel Öffentlicher Güter

  • U. MAZZOLA (1890): Öffentliche Güter,

  • P.A. SAMUELSON (1954): pareto-optimale Versorgung mit öffentlichen Gütern

 

2.3 Knut WICKSELL und die Verbindung beider Seiten des Staatshaushaltes

K. WICKSELL kann als einer der Begründer des Gedankens der Entscheidungsanalyse (auch Kausalanalyse) in der Finanzwissenschaft angesehen werden. In seinem Werk "Finanztheoretische Untersuchungen" (1896) nahm er sich nochmals der Problematik öffentlicher Güter an, entwickelte einen Lösungsansatz zur optimalen Entscheidungsfindung im parlamentarischen Prozess: Die beiden Seiten des Staatshaushalts werden solange zueinander variiert bis Einstimmigkeit im Gremium bezüglich der optimalen Zusammensetzung von Einnahmen-Ausgaben besteht (WICKSELL'sehe Einstimmigkeitsregel) . Eine solche Betrachtung war insofern neu, als beide Seiten des Staatshaushalts verbunden wurden und die Suche nach der optimalen Alternative im Politischen Entscheidungsprozess erörtert wurde. Popularisiert wurde der Gedanke WICKSELL's in der neueren Zeit durch MUSGRAVE, was schließlich in der Begründung der Public-Choice-Schule (Vertreter: BUCHANAN) in den 50-iger Jahren gipfelte.

 

2.4 Die Keynesianische Revolution in der Finanzwissenschaft (1936)

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise in den 30-iger Jahren brachte J.M. KEYNES einen revolutionären Gedanken in die Finanzwissenschaft ein, in dem er meinte "mehr Staatsausgaben zur Schließung der deflatorischen Lücke". Ziel war es, die Finanzwissenschaft in den Dienst der Beschäftigungspolitik zu stellen (Steuern zur Überwindung der Arbeitslosigkeit); Stichwort: "defecit-spending" (kein Budgetausgleich).

 

2.5 Neuere Tendenzen in der (modernen) Finanzwissenschaft

Seit dem 2.Weltkrieg traten in der modernen Finanzwissenschaft einige Autoren und entsprechend Themenschwerpunkte in Erscheinung:

  • SAMUELSON/MUSGRAVE: Theorie der öffentlichen Güter

  • BUCHANAN/TULLOCK: Wie organisiert sich ein Staat? Ökonomische Analyse der Verfassung und der Abstimmungsregeln

  • A. DOWNES: Ökonomische Theorie der Demokratie, Politische Konjunkturzyklen, Wählerstimmenwettbewerb

  • MILL: Theorie der optimalen Besteuerung

  • HARBERGER: Wer trägt die Nachteile, wer die Vorteile beider Besteuerung (Steuerinzidenz)

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