16. Die Steuerinzidenz

16.1 Die politische Relevanz der Steuerinzidenz

16.2 Glaube und Wirklichkeit in der Steuerinzidenztheorie

16.3 Die Steuerinzidenz im partiellen Gleichgewicht

 

16.1 Die politische Relevanz der Steuerinzidenz

Ziel ist es ein "gutes" Steuersystem zu entwickeln. Die Kriterien sind vor allem Gerechtigkeit und Effizienz. Hat man ein Steuersystem entwickelt, muss man es bzgl. seines Zielerreichung überprüfen.

Gerechtigkeit + Effizienz --> Steuersystem --> Ergebnis/ Steuerinzidenz

Man kann in die formale von der effektiven Inzidenz unterscheiden.

  • Die formale Inzidenz gibt an, wer Steuerschuldner ist, d.h. derjenige der die Steuer an das Finanzamt abführt.
  • Bei der effektiven Inzidenz lautet die Frage: wer trägt effektiv die ökonomische und nicht nur die formale Last der Steuer?

Dieses Auseinanderfallen von formaler und effektiver Inzidenz wird durch eine Steuerüberwälzung erreicht. Man kann die Steuerüberwälzung in eine

  • Steuervor- und einer
  • Steuerrückwälzung

unterscheiden. Die Steuer wird formal getragen aber effektiv weitergegeben. N.F. CANARD vertritt eine extreme Ansicht der Steuerinzidenz: an einem Orte erhobene Steuer verteilt sich so auf die Volkswirtschaft, bis sie sich total verflüchtigt und zwar auf vor- und nachgelagerte Stufen. Tendenziell ist diese Aussage richtig, da die Individuen einer Fiskalillusion unterliegen, d.h. die Steuerlast wird verzerrt wahrgenommen. Diese Steuerdiffusion und Steuerillusion führt zu einer Verzerrung bei der Bereitstellung von öffentlichen Gütern, da der Abstimmungsprozess verzerrt wird. Außerdem führt die Steuerinzidenz zu einer nicht beabsichtigten Umverteilung. Die Politiker werden die Steuerlast den nicht wahlensrelevanten Personen auferlegen. Diese Personen müssen nicht die Steuerschuldner sein. Durch ihre Steuerillusion bemerken sie die auferlegte Steuerlast nicht. Die Finanzwissenschaft will Licht in die Steuerinzidenz bringen.

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16.2 Glaube und Wirklichkeit in der Steuerinzidenztheorie

Die Steuern werden in den Wissenschaften unterschiedlich behandelt, so z.B. in der Rechtswissenschaft: Zitat TIPKE/LANG: Bei den direkten Steuern sind die Steuerschuldner und die Steuerträger dieselben Personen. Bei den indirekten Steuern sind Steuerschuldner und Steuerträger nicht dieselben Personen. Es findet also nur bei den indirekten Steuern (z.B. Umsatz- und Verkehrssteuern) eine Überwälzung statt. Es wird keine Begründung für diese Schlussfolgerung gegeben. Die Juristen gehen von einem normativen Ziel-Mittel-Denken aus. Ökonomische Aspekte werden nicht berücksichtigt (z.B. Macht). TIPKE/LANG unterscheiden in Objekt- und Subjektsteuern. Durch diese Unterscheidung rufen sie selbst eine Steuerillusion hervor. Denn Steuern können nur von Individuen getragen werden.

Ziel der Finanzwissenschaft ist es die tatsächliche Steuerbelastung (positive Sichtweise) der Individuen zu ermitteln. Die Fragen lauten:

  • Warum kommt es zu einer Steuerüberwälzung?
  • Wovon hängt die Steuerüberwälzung ab?

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16.3 Die Steuerinzidenz im partiellen Gleichgewicht

16.3.1. Warum kommt es zu einer Steuerüberwälzung?

Jedes Individuum versucht seinen Nutzen bzw. seinen Gewinn zu maximieren. Darum wird jeder versuchen eine ihm auferlegte Steuer auf andere zu überwälzen, z.B. in Preisen, Löhnen o.ä.

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16.3.2 Wovon hängt die Steuerinzidenz ab?

16.3.2.1 Der Status Quo

Wir gehen von einem typischen Marktgleichgewicht aus. Dort wo sich Nachfrage und Angebot treffen kommt ein Gleichgewichtspreis und eine Gleichgewichtsmenge zustande.

 

16.3.2.2 Die Konsumsteuer in Form einer Mengensteuer

Das Gleichgewichtsmodell wird durch eine neu eingeführte Konsumsteuer in Form einer Mengensteuer gestört. Bemessungsgrundlage ist die Mengeneinheit. Die Mengensteuer kann bei dem Produzenten oder bei dem Konsumenten erhoben werden.

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16.3.2.2.1 Die Konsumsteuer in Form einer Mengensteuer erhoben bei dem Produzenten

Der Produzent wird der Annahme gemäß versuchen die Steuer voll auf den Konsumenten zu überwälzen. Dadurch verschiebt sich seine Angebotskurve genau um den Steuerpreis nach oben. Der Bruttopreis und der Nettopreis fallen auseinander. Der Produzent richtet seine Angebotsmenge nach dem Nettopreis, da er den Steuerbetrag an das Finanzamt abführen muss. Der Konsument richtet seine nachgefragte Menge nach dem Bruttopreis. Das neue Marktgleichgewicht liegt bei dem Schnittpunkt der Nachfragekurve mit der um den Steuerbetrag erhöhten Angebotskurve.

Um die Steuerinzidenz beurteilen zu können, muss man die Konsumentenrente bzw. die Produzentenrente vor und nach der Besteuerung vergleichen. Wie man sieht schafft es der Produzent nicht die Steuer vollständig auf den Konsumenten zu überwälzen. Denn er erleidet einen Verlust seiner Produzentenrente. Der Konsument verliert auch einen Teil seiner Konsumentenrente. Das Verhältnis der Verluste von Konsumenten- bzw. Produzentenrente geben den Grad der Überwälzung an. Die Verluste der sozialen Wohlfahrt sind größer als der Steuerertrag. Dieser Fehlbetrag ist der sogenannte excess burden.

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16.3.2.2.2 Die Konsumsteuer in Form einer Mengensteuer erhoben bei dem Konsumsteuer

Die Steuererhebung beim Konsumenten lässt seine Nachfragekurve nach unten rutschen, denn der Bruttopreis hat sich für ihn erhöht. Der Nettopreis bleibt konstant, nachdem sich die Anbieter richten. Das neue Gleichgewicht bildet sich mit einer niedrigeren Menge. Ein Vergleich der Konsumenten- bzw. der Produzentenrente vor und nach Besteuerung ergibt, dass beide Wohlfahrtsverluste hinnehmen mussten. Die Steuer wurde von den Konsumenten zum Teil auf die Produzenten überwälzt.

 

16.3.2.3 Fazit

Es ist für die Steuerinzidenz egal bei wem die Steuer erhoben wird. Die Steuerüberwälzung ist abhängig von den Elastizitäten des Angebots bzw. der Nachfrage, die die Steigung der Geraden in der Grafik darstellen.

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16.3.3 Die Konsumsteuer in Form einer Wertsteuer

Die Wertsteuer soll den gleichen Ertrag wie die Mengensteuer erbringen. Die Angebots- bzw. Nachfragekurve werden sich bei einer Steuererhebung nicht mehr parallel verschieben, sondern gedreht. Denn mit die Bemessungsgrundlage setzt sich aus Preis * Menge zusammen.

Auf dem Weg zum neuen Gleichgewicht haben wieder Überwälzungsprozesse stattgefunden. Diese haben sich analog zur Mengensteuer vollzogen. Auch die Organisation der Steuererhebung hat keinen Einfluss auf die Steuerinzidenz. Damit unterscheidet sich die Wert- von der Mengensteuer hinsichtlich der Inzidenz nicht.

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16.3.4 Der Einfluss der Marktkräfte in Abhängigkeit von den Elastizitäten der Nachfrage bzw. des Angebots

Die Angebotselastizität sei E.

E = dx/x : dp/p

Die Nachfrageelastizität sei N.

N = dx/x : dp/p

Setzt man in diese Gleichung die Strecken aus der Abbildung 1 ein, so erhält man:

E = BC/OC * UE/DE

N = BC/OC * OE/EF

Man setzt nun die Elastizitäten ins Verhältnis zueinander:

E/N = EF/DE

Die Strecke EF trägt der Konsument an Steuer und der Produzent trägt DE. Daraus folgt:

Die Lasten der Steuerüberwälzung sind umgekehrt proportional zu den Elastizitäten des Angebots und der Nachfrage.

Man unterscheidet 4 besondere Kombinationen

  1. N = 0 und E = endlich
    Die Produzenten können bei unelastischer Nachfrage die Steuerlast voll auf die Konsumenten überwälzen.
  2. N = endlich und E = 0
    Die Anbieter tragen die volle Steuerlast. Die Steuern werden von den Konsumenten auf die Produzenten überwälzt.
  3. N = unendlich und E = endlich
    Die Anbieter tragen die Steuerlast.
  4. N = endlich und E = unendlich
    Die Nachfrager tragen die Steuerlast.

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16.3.5 Die Sozialversicherungsbeiträge

Es soll die Inzidenz der Sozialversicherungsbeiträge in der Sozialversicherung untersucht werden. Die Sozialversicherungsbeiträge setzen sich wie folgt zusammen:

Sozialversicherungsbeiträge sind Zwangsabgaben und können also mit einer Steuer verglichen werden. Sie ähneln einem Umlageverfahren und sind im weiteren Sinne Abgaben. Die Kosten für die Sozialversicherungsbeiträge tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte. Mit Ausnahme der Unfallversicherung, die der Arbeitgeber selbst trägt. Wir wollen nun untersuchen, ob die Organisation der Erhebung der Sozialversicherungsbeiträge einen Einfluss auf Belastungen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben. Die Sozialversicherungsbeiträge bemessen sich nach dem Einkommen, also wie eine Wertsteuer.

Man sieht, dass die Lastverteilung unabhängig davon ist, wer die Sozialversicherungsbeiträge zahlt. Wichtig sind nur die Elastizitäten der Nachfrage (Arbeitgeber fragt Arbeitskräfte nach) und die Elastizität des Angebots (Arbeitnehmer bieten Arbeitskraft an). Das rechtliche und das ökonomische Ergebnis fallen auseinander. Je unelastischer die Angebotskurve, desto weniger tragen die Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeiträge. Das Modell der vollständigen Konkurrenz trifft aber auf den Arbeitsmarkt nicht zu. Im Prinzip stehen sich zwei Monopolisten gegenüber. Auf der Angebotsseite ist es die Gewerkschaft und auf der Nachfrageseite der Arbeitgeberverband. Also müssen wir ein Monopolmodell entwickeln.

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16.3.6 Die Produktsteuern im Monopol und Oligopol

Bei vollständiger Konkurrenz würde der Monopolist die Steuer voll auf den Konsumenten überwälzen können. Der Monopolist hat nämlich eine vollständig elastische Angebotskurve. Im Monopolfall kann der Monopolist nur die Hälfte der Steuer überwälzen. Grund hierfür ist die Grenzerlöskurve, nach der er seine Menge festsetzt, ist doppelt so steil wie die Nachfragekurve.

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